Ganggenauigkeit von Armbanduhren – Warum mechanische Uhren vor- oder nachgehen

Ganggenauigkeit von Armbanduhren – Warum mechanische Uhren vor- oder nachgehen

Viele Kunden stellen nach dem Kauf einer mechanischen Uhr fest, dass ihre Uhr täglich ein paar Sekunden vor- oder nachgeht.
Die häufigste Frage lautet dann:
„Ist das normal?“

Die klare Antwort lautet: Ja – bei mechanischen Uhren ist eine Gangabweichung völlig normal.
In diesem Artikel erklären wir ausführlich die Ganggenauigkeit mechanischer Uhren, typische Ursachen für Abweichungen und wann Handlungsbedarf besteht.

Was bedeutet Gangabweichung bei Uhren?

Die Gangabweichung beschreibt die Zeitdifferenz zwischen der Uhr und der offiziellen Referenzzeit innerhalb von 24 Stunden.
Sie wird meist in Sekunden pro Tag (s/Tag) angegeben.

👉 Wichtig zu wissen:
Eine mechanische Uhr ist kein elektronisches Messinstrument, sondern ein feinmechanisches System aus Zahnrädern, Unruh und Hemmung.

Welche Gangabweichung ist bei mechanischen Uhren normal?

Je nach Uhrwerk und Regulierung gelten folgende Richtwerte:

  • Standard Automatikuhren:
    –20 bis +40 Sekunden pro Tag

  • Gut regulierte mechanische Uhren:
    –10 bis +20 Sekunden pro Tag

  • Chronometer (COSC-zertifiziert):
    –4 bis +6 Sekunden pro Tag

Wenn sich Ihre Uhr innerhalb dieser Werte bewegt, spricht man von einer normalen mechanischen Gangabweichung.

Warum läuft dieselbe Uhr nicht jeden Tag gleich genau?

Selbst bei derselben Uhr können tägliche Abweichungen auftreten. Die häufigsten Gründe sind:

1. Tragegewohnheiten

  • Wenig Armbewegung

  • Längere Ruhezeiten

  • Unterschiedliche Ablagepositionen über Nacht

Die Lage der Uhr beeinflusst die Schwingung der Unruh.

2. Aufzugszustand

  • Zu wenig Gangreserve

  • Unvollständiger automatischer Aufzug

💡 Tipp:
Tragen Sie Ihre Automatikuhr mindestens 8 Stunden täglich oder ziehen Sie sie gelegentlich manuell auf.

3. Magnetfelder und Umgebungseinflüsse

Moderne Alltagsgeräte können Magnetismus erzeugen, z. B.:

  • Smartphones

  • Lautsprecher

  • Magnetische Ladegeräte

  • Laptops

Magnetisierung ist eine der häufigsten Ursachen dafür, dass eine mechanische Uhr plötzlich zu schnell läuft.

4. Einlaufphase bei neuen Uhren

Neue mechanische Uhren benötigen oft eine Einlaufzeit von 1–4 Wochen, bis sich alle Bauteile optimal aufeinander abgestimmt haben.

Warum wird eine mechanische Uhr mit der Zeit oft genauer?

Viele Besitzer berichten, dass ihre Uhr nach einiger Zeit stabiler läuft. Das liegt an:

  • Natürlicher Feinabstimmung der Bauteile

  • Gleichmäßiger Verteilung der Schmierstoffe

  • Konstanteren Tragegewohnheiten

➡️ Genau das macht den Charakter einer mechanischen Armbanduhr aus.

Wann ist eine Gangabweichung nicht mehr normal?

Bitte kontaktieren Sie den Kundenservice, wenn:

  • Die Uhr mehr als ±60 Sekunden pro Tag abweicht

  • Die Gangwerte stark schwanken

  • Die Uhr trotz ausreichender Gangreserve stehen bleibt

Wie kann man die Ganggenauigkeit verbessern?

Einige einfache Maßnahmen helfen oft schon:

  • Regelmäßiges Tragen oder manuelles Aufziehen

  • Abstand zu Magnetfeldern halten

  • Unterschiedliche Ablagepositionen über Nacht testen

  • Regelmäßige Wartung (alle 3–5 Jahre)

Hinweis zu Quarzuhren

Im Vergleich dazu sind Quarzuhren deutlich genauer:

  • Abweichung meist ±15 Sekunden pro Monat

  • Plötzliche Ungenauigkeit deutet häufig auf eine schwache Batterie hin

Fazit: Mechanische Uhren leben von Präzision – nicht von Perfektion

Eine mechanische Uhr ist ein Meisterwerk der Uhrmacherkunst, kein digitales Messgerät.
Leichte Gangabweichungen sind kein Mangel, sondern ein natürlicher Bestandteil der Mechanik.

Solange sich Ihre Uhr im normalen Bereich bewegt, können Sie sie mit gutem Gefühl tragen und genießen.

Bei Fragen zur Ganggenauigkeit Ihrer Uhr steht Ihnen unser Kundenservice jederzeit gerne zur Verfügung.

 

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